Imple­men­ta­ti­on des Ora­Cy­cle auf Schul­ebe­ne

Wie man das Kol­le­gi­um ins Boot holt

Eine Imple­men­tie­rung neu­er Kon­zep­te mit meh­re­ren Stake­hol­dern ist immer ein schwie­ri­ges Unter­fan­gen. Es bedarf einer guten Pla­nung, Bei­spie­len und Für­spre­chern.

Die Erfah­rung zeigt, dass es für Lehr­kräf­te durch­aus her­aus­for­dernd sein kann, ein neu­es Kon­zept in den Unter­richts­all­tag zu inte­grie­ren, umso wich­ti­ger ist es, dass der Eins­tig so leicht wie mög­lich gestal­tet wird und nie­der­schwel­li­ge Ange­bo­te geschaf­fen wer­den. Hier­bei ist es vor allem hilf­reich, den Lehr­kräf­ten prak­ti­sche Bei­spie­le an die Hand zu geben, die direkt ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Wich­tig ist hier bei aller­ding, dass die Auf­ga­ben oder Arbeits­blät­ter an die eige­ne Lern­grup­pe anpass­bar sind. 

Ein Aspekt, der sehr wich­tig ist und lei­der oft dazu führt, dass Lehr­kräf­te auf­ge­ben, ist die Tat­sa­che, dass es bei der ers­ten Umset­zung immer wie­der zu Rück­schlä­gen und ggf. auch Ver­wir­rung kom­men wird. Dies ist völ­lig nor­mal und auch ver­ständ­lich, denn man muss die Kon­zep­te erst zu „sei­nen eige­nen“ machen. Dies bedeu­tet, dass man zum einen fle­xi­bel und offen mit den Kon­zep­ten und Mate­ria­li­en umge­hen ler­nen muss. Was gibt es? Was davon passt zu mir? Wie kann ich zeit­ef­fi­zi­ent etwas Neu­es aus­pro­bie­ren? Wie kann ich es auf mich und mei­ne Lern­grup­pe anpas­sen, ohne dass die posi­ti­ven Aspek­te ver­lo­ren gehen?

Zum ande­ren hat sich gezeigt, dass beim ers­ten Durch­gang zwangs­läu­fig noch nicht alles glatt läuft. Der vor­ran­gi­ge Grund hier­für ist, dass man erst ein­mal die Zusam­men­hän­ge zwi­schen ein­zel­nen Aspek­ten, Mate­ria­li­en und Metho­den erken­nen muss und erst am Ende die Erfah­rung hat, die es einem ermög­licht, Pro­ble­me zu anti­zi­pie­ren und zu ent­schei­den, wel­che Schrit­te auf dem Weg uner­läss­lich oder adap­tier­bar sind. 

Aus die­sem Grund bedarf es Vor­rei­ter in der Fach­grup­pe, die Kon­zep­te, Unter­richts­for­men und Mate­ria­li­en erpro­ben, die­se der Fach­schaft zur Ver­fü­gung stel­len und Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen beglei­ten. 

Etwas, das sich als sehr hilf­reich her­aus­ge­stellt hat ist das gemein­sa­me Prü­fen in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­prü­fung. Die Lehr­kräf­te, die das Kon­zept noch nicht unter­rich­tet haben, erken­nen schnell den Unter­schied zwi­schen den bis­he­ri­gen Prü­fun­gen und den Prü­fun­gen im neu­en For­mat. Oft wer­den sie neu­gie­rig und fra­gen dann, wie der Unter­richt „denn so abläuft“. Laden Sie Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ein sich den Unter­richt anzu­schau­en und erklä­ren sie dann ein­zel­ne Schrit­te und Mög­lich­kei­ten.

Ohne ein wenig zusätz­li­chem Enga­ge­ment und viel Opti­mis­mus ist eine Umset­zung schwie­rig, aber je mehr Men­schen sie im Boot haben, des­to ein­fa­cher wird die Imple­men­tie­rung. 

Hier ein paar Tipps, die sich als hilf­reich erwie­sen haben:

  • Star­ten Sie in einer par­al­le­len Lern­grup­pe, evtl. im Jahr­gangs­stu­fenteam und bie­ten Sie an die Grob­pla­nung für alle zu erar­bei­ten, ach­ten Sie aber auch dar­auf alle ins Boot zu holen, sonst ver­ste­hen ande­re nicht, war­um bestimm­te Ent­schei­dun­gen getrof­fen wur­den und war­um wel­che Puz­zle­tei­le zum gro­ßen Gan­zen bei­tra­gen. 
  • Laden Sie Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in die Prü­fun­gen oder in den Unter­richt ein und prä­sen­tie­ren Sie Arbeits­er­geb­nis­se der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.
  • Bie­ten Sie Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an ein­zel­ne Mate­ria­li­en oder Tei­le des Kon­zep­tes aus­zu­pro­bie­ren, wie zum Bei­spiel Assess­ments­heets oder Feed­back­zet­tel. 
  • Sam­meln Sie Feed­back von den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ein und machen die Ihren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zugäng­lich. 
  • Füh­ren Sie ein Gespräch mit der Schul­lei­tung in dem Sie die Vor­tei­le für die Schü­ler­schaft dar­le­gen und dem Kol­le­gi­um Unter­stüt­zung anbie­ten.
  • Holen Sie sich Hil­fe von außen, durch Fort­bil­dun­gen oder wis­sen­schaft­li­che Beglei­tung. Dies hat zudem eine gute Außen­wir­kung. 
  • Füh­ren Sie ein neu­es Kon­zept in Ruhe ein. Eine Fach­kon­fe­renz ist hier sicher­lich nicht der rich­ti­ge Rah­men. Bean­tra­gen Sie einen Fort­bil­dungs­tag.

Haben Sie Geduld und las­sen Sie sich nicht ent­mu­ti­gen, es wird immer Lehr­kräf­te geben, die das neue Kon­zept nicht unter­stüt­zen wer­den. Sie haben „kei­ne Zeit“, sehen den „Mehr­wert“ nicht, haben das „schon immer anders gemacht“, wol­len sich „nicht mehr umstel­len“. Arbei­ten Sie sich nicht an die­sen Men­schen ab, son­dern nut­zen Sie die Neu­gier­de ande­rer, zei­gen Sie, dass Sie etwas ändern möch­ten. Blei­ben Sie posi­tiv und ent­wi­ckeln Sie für sich selbst etwas, das Sie und ihre Ler­nen­den wei­ter­bringt.