Der Assess­ment Cycle

Wie kann ich mei­ne münd­li­chen Kom­pe­ten­zen gezielt ver­bes­sern und mei­nen eige­nen Lern­fort­schritt erken­nen? 

Was macht einen guten münd­li­chen Vor­trag, eine poin­tier­te Sprach­nach­richt oder einen span­nen­den Pod­cast aus? 

Wor­an muss ich noch arbei­ten, um mei­ne Ideen über­zeu­gen­der zu prä­sen­tie­ren?

Wor­auf kommt es in der münd­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­prü­fung an?

All die­se Fra­gen lie­gen im Fokus des assess­ment cycle, der eng mit dem lear­ning cycle ver­knüpft ist. Er zielt, lern­theo­re­tisch gese­hen, auf die För­de­rung der Meta­ko­gni­ti­on der Ler­nen­den. Goh (2014) zufol­ge ist die­se eine Vor­aus­set­zung für die Ent­wick­lung von Münd­lich­keits­kom­pe­tenz. Meta­ko­gni­ti­on lässt sich sinn­ge­mäß mit „Nach­den­ken über das eige­ne Den­ken bzw. Ler­nen“ über­set­zen und meint hier die Bewusst­ma­chung der men­ta­len Pro­zes­se und der Stra­te­gien beim Hören und Spre­chen. Gera­de weil die­se ins­be­son­de­re in der Mut­ter­spra­che weit­ge­hend auto­ma­ti­siert und unbe­wusst ablau­fen, hilft es, bestimm­te Teil­aspek­te und ‑pro­zes­se expli­zit zu the­ma­ti­sie­ren: Wie kön­nen wir unse­re Stim­me beim Spre­chen bewusst ein­set­zen, um das Gesag­te zu unter­strei­chen, war­um klingt die Into­na­ti­on in der ers­ten Fas­sung des Vor­trags so mono­ton? Wie kön­nen wir beim Spre­chen Zeit gewin­nen oder Wort­fin­dungs­schwie­rig­kei­ten kom­pen­sie­ren, sodass die Sprach­flüs­sig­keit erhöht wird? 

Der assess­ment cycle umfasst min­des­tens drei Schrit­te:

  1. Kri­te­ri­en ent­wi­ckeln: In unse­rer empi­ri­schen Stu­die hat es sich als sehr gewinn­brin­gend erwie­sen, die Ler­nen­den aktiv in den Pro­zess der Ent­wick­lung von Kri­te­ri­en zur Beur­tei­lung des Lern­pro­dukts und sogar der münd­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­prü­fung ein­zu­be­zie­hen (Ko-Kon­struk­ti­on). Dies erfolgt im Rah­men der Arbeit mit Modell­tex­ten. Die Lehr­kraft soll­te dabei jedoch die End­re­dak­ti­on über­neh­men, d.h. die Kri­te­ri­en gründ­lich revi­die­ren und in einer Check­lis­te zusam­men­füh­ren. Wie die Abbil­dung unten zeigt, wur­den die Kri­te­ri­en zur Erstel­lung eines Pod­casts zunächst recht all­ge­mein abge­fragt (“What makes you lis­ten to a pod­cast?”) und auf einer TaskCard gesam­melt. Die ers­ten Ideen der Ler­nen­den dien­ten dann als Basis für ein Unter­richts­ge­spräch zur Kon­kre­ti­sie­rung der Kri­te­ri­en (“What do you mean by ‘inte­res­t­ing topic’?”).
Anbah­nung der gemein­sa­men Kri­te­ri­en
  1. Selbst­ein­schät­zung durch die Ler­nen­den (self-assess­ment): Die von den Ler­nen­den gesam­mel­ten Kri­te­ri­en wer­den anschlie­ßend durch die Lehr­kraft geprüft, grup­piert und in einer Check­lis­te zusam­men­ge­fasst. Die Ler­nen­den schät­zen ihren eige­nen Ent­wurf zunächst mit­hil­fe der Kri­te­ri­en ein. Für das anschlie­ßen­de peer assess­ment kön­nen sie ggf. Kri­te­ri­en bestim­men, auf die beson­ders ein­ge­gan­gen wer­den soll (feed-up, Hat­tie & Tim­per­ley 2007).
Check­lis­te für self- und peer assess­ment auf Basis der ko-kon­stru­ier­ten Kri­te­ri­en
  1. Gegen­sei­ti­ges Feed­back durch die Ler­nen­den (peer assess­ment): Die Selbst­ein­schät­zung wird ergänzt durch ein bis zwei Fremd­ein­schät­zun­gen durch Mit­schü­le­rin­nen und Mit­schü­ler. Die­se kön­nen die Ler­nen­den dann mit ihrer eige­nen Ein­schät­zung abglei­chen und sich selbst Zie­le für die Über­ar­bei­tung set­zen.

Die Selbst- und Fremd­ein­schät­zung kann der Lehr­kraft auch zur Dia­gnos­tik und so zur Pla­nung der geziel­ten Übungs­ein­hei­ten (lan­guage loops) nut­zen. Dies kann durch digi­ta­li­sier­te Selbst- und Fremd­ein­schät­zungs­bö­gen erleich­tert wer­den. Aus den gebün­del­ten Rück­mel­dun­gen soll­te sich ein unge­fäh­res Bild der­je­ni­gen Beur­tei­lungs­aspek­te abzeich­nen, die den Ler­nen­den die größ­ten Schwie­rig­kei­ten berei­ten.