Phase 2 – Arbeiten mit Modelltexten
Im Nachgang der ersten Phase sollten Sie ihre Planung weiter verfeinern und reflektieren, welche Wünsche und Bedarfe die Lernenden geäußert haben. Überlegen Sie, wo und wie Sie diese in den Unterricht einbinden können. Wieviel können die Lernenden selbstständig erarbeiten? Wo kann das Internet helfen? Welche Materialien können Sie bereitstellen.
Nachdem die Lernenden in der ersten Phase des learning cycle in das Themenfeld der Unterrichtsreihe eingeführt wurden, beginnen die Lernenden in dieser zweiten Phase mit der Erarbeitung der Genre-Aspekte, das heißt, sprachliche, strukturelle und (digital-)mediale Eigenschaften des Zielformats anhand von Modelltexten. Als Modelltexte werden hier aus Lernendensicht besonders aussagekräftige und interessante Beispiele des Genres des Zielformats verstanden. Der erste Kontakt mit einem Modelltext sollte dazu genutzt werden, Erfahrungen und erste Ideen zu sammeln. Warum ist das Genre für unser Zielprodukt geeignet? Was sind seine besonderen Merkmale? Was gefällt uns oder anderen Hörern an diesem Genre? Hier werden Hypothesen formuliert und notiert, die im Laufe der Arbeit konkretisiert und zu Qualitätskriterien ausgebaut werden. Das bedeutet, dass eine Formulierung wie „It’s interesting“ im Laufe der Arbeit mit Leben gefüllt werden muss: Was bedeutet „It’s interesting”? Fragen Sie nach: Wie schafft eine Moderatorin, ein Sprecher es, dass das was gesagt wird interessant klingt?
An dieser Stelle kommen Modelltexte ins Spiel. Ein gut gewählter Modelltext ermöglicht es den Lernenden, die Elemente, die sie oft automatisch benannt haben, zu identifizieren und zu erklären. Sie helfen dabei, spezifischere Merkmale des Genres klarzumachen und Beispiele zu geben, die dann von den Lernenden verwendet werden können, um ihre eigenen Texte auf der Grundlage dieser Ideen zu modellieren. Hierbei ist es sinnvoll mehrere Beispiele miteinander zu vergleichen, die unterschiedliche Aspekte besonders „gut“ machen. Lassen Sie die Lernenden entscheiden, warum sie einen Text für interessanter, geeigneter, spannender halten.

Ihre inhaltlichen Ziele sind hier vor allem die Genremerkmale. Wenn Sie ihre Lernenden mit verschiedenen Materialien individuell arbeiten lassen, werden Sie nicht genau definieren, was sie über das Thema lernen, aber das ist auch nicht wichtig. Ihr Ziel ist es, dass die Lernenden sich Wissen aneignen und dieses kommunizieren können.
Ein zweiter nützlicher Aspekt ist der Spracherwerb, denn die Lernenden können auch Sätze, Vokabeln, Chunks verwenden, die sie aus dem Modelltext herausgehört haben, wie z.B. typische Phrasen für einen Audioguide, einen Podcast oder eine Radiosendung. Damit haben die Lernenden ein Passepartout, das sie mit eigenen Inhalten füllen können. In schwächeren Lerngruppen bietet sich hier ein unterstützender Einsatz von Transkripten an. Je nach den Stärken und Fähigkeiten der einzelnen Lernenden können diese sich darauf stützen, wenn sie es für nötig halten, oder sie als grundlegende Richtlinie für ihre Produkte verwenden. Diese Modelltexte ermöglichen es den Schülern also, sich individuell zu entwickeln, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass die grundlegenden Kriterien für alle Schüler gleich sind. Außerdem können sich die SchülerInnen zunehmend von den Modelltexten lösen und Schritt für Schritt eigene Ideen einbringen und hoffentlich ihre eigene Stimme finden.
Die sprachlichen Ziele sind also zum einen den thematischen Wortschatz sukzessive zu ergänzen, zum anderen sollen sie lernen sprachliche Mittel aus dem Ausgangstext als Bausteine für ein eigenes Produkt herauszufiltern und anzuwenden. Beachten Sie hierbei, dass der Lernzuwachs und der Weg dorthin für jeden Lernenden unterschiedlich sein kann und darf.
Der wichtigste Aspekt ist allerdings das gemeinsame Definieren von Kriterien. Basierend auf den inhaltlichen und sprachlichen Merkmalen, die gemeinsam aus den Modelltexten herausgearbeitet wurden, werden zunächst Feedback-Bögen erstellt. Dies kann, insbesondere in stärkeren Lerngruppen, ko-konstruktiv erfolgen: Die von den Lernenden entwickelten Kriterien werden dabei von der Lehrkraft verfeinert und gegebenenfalls ergänzt oder reduziert. Später gehen die Kriterien dann in den Bewertungsbogen für die Prüfung und das Endprodukt über.
Wann immer die Lernenden mit ihren Gruppenmitgliedern arbeiteten, üben und festigen sie die Verwendung von Wörter und Chunks, die später ebenfalls im Kontext der Prüfung verwendet werden müssen. Unterstützen Sie die Lernenden mit hilfreichem Vokabular z.B. zur Meinungsäußerung, zur Beschreibung des Produkts, zum Vorschlagen von Kompromissen.
Nicht vernachlässigen sollte man auch, dass dies Phase ein wichtiges Training der kommunikativen Kompetenzen inklusive verschiedener Hörverstehenskompetenzen ermöglicht. Die Arbeit mit auditiven Texten und das Üben und Anwenden von Hörverstehensstrategien wird den Lernenden in diesem Kontext völlig selbstverständlich vorkommen, denn sie benötigen diese, um die Texte zu verstehen, ihre Merkmale, Inhalte und sprachlichen Mittel herauszuhören.
In dieser zweiten Phase des learning cycle wechseln Sie bereits an vielen Stellen in die Rolle des Lernbegleiters: Stellen Sie vielfältige Materialien zur Verfügung und leiten Sie die Lernenden an. Nehmen Sie sich zurück bei der Erarbeitung der wichtigsten Inhalte und Aspekte und geben Sie Raum für eigenständiges Arbeiten. Unterstützen Sie diejenigen Lernenden, die Hilfe brauchen. In dieser Phase gibt es viele unterschiedliche Wege, die ans Ziel führen.
Leitfragen für die Planung der zweiten Phase können sein:
- Welche Texte eignen sich als Modelltexte?
- Was sind Charakteristika des Zielprodukts?
- Was sind relevante Kriterien für die Erarbeitung und Beurteilung?
- Welche sprachlichen Mittel, welches Vokabular kann man den Modelltexten entnehmen?
- Was muss geübt werden, welche Strategien sind erforderlich, damit die Lernenden in der Lage sind die Aufgaben zu bewältigen? (individuelle Förderung)